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110. Aufgabe: Beschreiben Sie den Arbeitsalltag einer Halmmuräne!

 

Die Einteilung des Tages erfuhren wir bereits durch die brillante Schilderung der Abenteuer von Ensel und Krete unseres hochgeschätzten Hildegunst von Mythenmetz. Hier nun die uninteressanten Einzelheiten:

Morgenlangeweile

Träge zieht der müde Tag im fahlen Morgenlicht herauf. Schläfrig klappt die Halmmuräne ihre Augen wieder zu und gibt sich der geisttötenden Lahmheit der viel zu frühen Stunde hin. Die alte Einsiedlerin genießt den schalen Mundgeruch, den das Reh hinterläßt, welches vor drei Monden zwischen den gelben Zähnen sein Ende fand. Tauber Pelzgeschmack auf klebriger Zunge. Durch ein zähes Gähnen aus den zwei Mäulern zieht der nahe Erstickungstod noch einmal huldvoll vorbei.

Vormittagslangeweile Die ersten Parasiten regen sich auf dem verbrauchten Leib des greisen Geschöpfs. Andächtig kostet sie das Gefühl aus, zu faul zu sein, sich zu Kratzen. Die erschöpften Augen rollen bedächtig. Selig nimmt sie die uninteressanten Halme wahr, von denen einer so aussieht wie der andere. Dieser glückliche Umstand erspart der Alten gelegentliche Orientierungsversuche. Nur allmählich sickert Tageslicht in die dumpfen Tiefen des Treibgrases.

Mittagslangeweile

Milde, abgeschlaffte Eintönigkeit ist der Vorzug dieser inhaltsleeren Stunden. Die farblosen Stengel erstarren in der lebensfeindlichen Mittagsglut, von der auf dem schwülen Grund des Treibgrasfeldes lediglich eine lähmende Schwere spürbar ist. Wohlig ruht jetzt die Einsame in geistloser Starre. Dies ist die Talsohle der Langeweile. In dieser Phase der Reizlosigkeit stellt sie den Lidschlag ein. Die sonst glänzenden Augen bekommen einen stumpfen Ausdruck. Öde blickt das Raubtier vor sich hin.

Nachmittagslangeweile

Ermüdend langsam setzt sich die Verdauung in Gang. Schwerfällig rollen die Gedärme durch den auftreibenden Wanst. Monoton gurgeln die Gase in den Eingeweiden. Die Halmmuräne registriert diese Ereignisse nicht, da sie nun gemütlich Trübsal bläst und die einsetzenden zögerlichen Augenbewegungen das Hirn nach und nach lähmen. Gammliger Geruch breitet sich auf dem Boden aus. Was dann alltäglich folgt ist so langatmig, das es werder für das Tier, noch für den geneigten Leser von Belang sei dürfte.

Abendlangeweile

Fade geht der Tag seinem Ende entgegen. Nahezu desinteressiert lauscht das Tier auf spärliche Beute, die meist im gedämpften Zwielicht der Abenddämmerung in das Treibgras gerät. Dies ist wohl die Tageszeit mit der höchsten Anteilnahme an der Umgebung, obwohl dies durch keine Regung deutlich wird. Endlich durchdringt wieder fade Müdigkeit das unterbelichtete Tier. Im Dämmern des scheidenden Tages gelingt ihr dann die beachtenswerte Kunst, ihren eh rudimentären Betätigungsdrang vollständig zu unterdrücken.

Nachtlangeweile

Der Energieverbrauch nähert sich Null. Wohlig fühlt die Muräne die stumpfe Dunkelheit. Nur in diesem witzlosen Graseinerlei und in dieser öden Abgelegenheit ist auch die Nacht wirklich regungslos. Das bleiche Licht des Mondes kann sich nicht den Weg durch die dichten Halme bahnen. Die kriechende Kälte sorgt nicht für Veränderung. Das wechselwarme Tier wird von der einschläfernder Kühle ausgefüllt. Glückselig wartet es auf den kommenden Morgen in einförmiger Langeweile.



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